Töten ist am schlimmsten

 

Töten ist nicht so einfach. Es ist das Schlimmste, was wir auf dieser Welt tun können und zieht deshalb unweigerlich Schuldgefühle nach sich. Wir haben uns aber als Fleischesser lange daran gewöhnt und sind geübt im Gebrauch von Strategien, die uns vor uns selber entschuldigen. Wer Fleisch isst, braucht diese Strategien. Meist sind wir uns ihrer aber nicht bewusst, weil sie in unseren Lebensstil eingegangen und durch lange Gewöhnung automatisiert sind.
Hier sind einige Strategien, die uns dazu verhelfen, bei unseren angenehmen Gewohnheiten wie Töten und Fleisch essen bleiben zu können und uns dennoch nicht schlecht fühlen zu müssen.
Strategie 1: „Das merken die Tiere doch gar nicht“
Das ist die häufigste Strategie. Sie beweist aber, dass du noch nie in einem Schlachthof während der Betriebszeit warst. Vielleicht verrätst du damit auch, dass du das vielfache Töten selber nicht erträgst. Dann brauchst du zum Fleischessen diese Schutzposition.
Es fängt schon beim Abladen der Tiere vom LKW an. Sie haben Angst und drängen zurück, soweit es geht. Um sie aus dem Laster zu kriegen, wird den Rindern der Schwanz schmerzhaft umgedreht (obwohl es verboten ist) und immer wieder wird der Elektrostab angesetzt, sodass die Tiere erschrocken und schmerzhaft einen Satz nach vorne machen. Dasselbe geschieht beim Eintreiben in die Schlachtstraße. Die Tiere hören die Schreie ihrer Leidenskollegen, sie riechen das Blut ihrer bereits getöteten Artgenossen. Sie kennen bisher nur die Öde und Langeweile der Tierfabrik, in der sie gelebt haben und sind verwirrt und verängstigt durch die Rufe der Treiber und Schlachter und das laute Rasseln der Ketten, an denen sie gleich aufgehängt werden. Selbstverständlich wissen sie, was auf sie zukommt. Aber sie finden keinen Ausweg und werden erbarmungslos weiter getrieben. Irgendwann ist es so weit. Die Kuh steht in der Schlachtbox, hinter ihr fällt das Tor zu. Der Bolzen wird angesetzt und wenn sie Glück hat, fällt sie betäubt zusammen, wird aus der Schlachtbox geworfen und der weitere Prozess mit Aufhängen an dem Haken, Abschneiden der Füße, Ausdrücken der Augen und schließlich dem Todesstoß mit nachfolgendem Verbluten geht seinen Gang. Hat das Schwein oder die Kuh Pech gehabt, wirkt die Betäubung nicht. Das trifft bekanntermaßen in vielen Fällen zu, denn bei der Akkordschlachtung hat der Schlachter gar keine Zeit, sich von der ordnungsgemäßen Betäubung zu vergewissern. Das Band läuft weiter und das Tier erlebt sein grausames Ende bei vollem Bewusstsein.
Gehörst du zu den Menschen, die Strategie 1 wählen? Oder sagst du lieber: „Das sind doch nur Tiere“? Dann hilfst du dir mit Strategie 2.
Für diese Strategie musst du das Leben schlechthin abwerten und den Tieren die Leidensfähigkeit abstreiten. Du sagst dir, dass es nicht wichtig ist, wenn andere Lebewesen leiden oder du baust dir ein Gedankengehäuse, wonach Tiere so etwas wie gefühllose Maschinen sind. Es gab ja schon einen Philosophen, der meinte, dass die Schmerzschreie von Tieren dem Quietschen einer Tür vergleichbar seien. Heute wird das kein ehrlicher Wissenschaftler mehr so sehen. Es gibt aber noch einen ähnlichen Ausweg für Fleischesser: Ich selber habe in katholischer Vergangenheit gelernt, dass Tiere „keine Seele“ haben und dass Gott sie uns zur Verfügung gestellt hat und dass wir über sie herrschen sollen. Das ist ein guter Freibrief für alles, was du anderen Lebewesen zufügst. Wenn dir dieser liegt, dann bleibe dabei. Er schützt dich perfekt vor schlechtem Gewissen , denn du hast nun mal das Glück, Gottes liebes Kind zu sein und hast gleichzeitig die Erlaubnis vom höchsten Thron, mit seinen vielfältigen anderen Geschöpfen zu machen, was du willst.
Dann gibt es noch diejenigen, die sich hinter Strategie 3 verbergen und behaupten: „Die Tiere machen das untereinander auch. Sie töten sich gegenseitig. Also darf ich das doch auch tun.“
Richtig, so ist die Natur eingerichtet. Fragst du dieselben Menschen aber, ob sie sich auch als Tiere fühlen, erhältst du eine entrüstete Antwort. Nein, sie sind doch Menschen! Etwas ganz anderes, viel Höherstehendes! Geistbegabte und im Gegensatz zum Tier entscheidungsfähige Wesen! Mensch! Wenn du etwas Höheres sein willst und von Würde sprichst, dann lass diese Strategie fallen. Sie nimmt dir deine Würde weg.
Es gibt noch viel mehr Strategien. Eine davon heißt: „Dazu sind die Tiere doch da. Wenn wir sie nicht gezüchtet hätten, gäbe es sie nicht“. Ja ja, wir züchten Milliarden Tiere heran, um sie zu töten. Aber du hast nicht gemerkt, dass jedes Tier ein Individuum ist, das sich vom ähnlich aussehenden Tier daneben charakterlich und körperlich unterscheidet und dass jedes Tier sein eigenes Leben hat, das ihm gehört. DU hast ihm nicht das Leben gegeben. Das Leben kommt wo anders her. Das hat Schopenhauer gemeint, als er sagte, dass jeder kleine Junge einen Käfer zertreten kann, aber dass nicht der schlaueste Mensch einen Käfer zum Leben erwecken kann.
Ich will hier nicht alle Strategien aufführen. Du wirst deine eigenen haben. Das Gesundheitsargument für´s Fleischessen allerdings ist längst wissenschaftlich und praktisch widerlegt, aber ich gebe dir recht, dass Fleisch gut schmeckt.
Deshalb ist es eben nicht so leicht, darauf zu verzichten. Wir müssen halt entscheiden, ob wir bereit sind, für einen kurzen Gaumenkitzel dem fühlenden Wesen das einzige zu nehmen, was wirklich alleine ihm gehört: das Leben. Ich weiß von mir selbst und vielen anderen, die es ehrlich zugeben, dass es immer wieder Rückschritte gibt. Aber dann halte ich es für ehrlicher, zu sagen: „Verdammt nochmal, heute habe ich mich von einem guten Geruch verführen lassen. Hat gut geschmeckt, morgen fange ich wieder neu an“ – als mir irgendwelche holzbeinartigen Begründungen als Ausflucht zu suchen. Es gibt in unserem reichen Land die leckersten Lebensmittel aus der ganzen Welt. Da ist es doch nicht so schwer, fein und gesund zu essen, ohne dabei über Leichen zu gehen.
Es reicht halt nicht, dass ein anderer für uns das Töten übernimmt und wir als Fleischesser fein raus sind.
Maria Groß Arbeitsgemeinschaft für artgerechte Nutztierhaltung e.V. Arbeitskreis Tierschutz SPD Hannover

 
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